Donnerstag, 5. April 2012

Türkei II


Samstag 31.3.12

Time to say good bye to Pamukkale – oder eher Güle Güle, das türkische Pendent dazu. Beim Frühstück klatschen einige Regentropfen an die Fensterscheibe, welche dann während des Packens in einen feinen Regen über gehen. Einsam steht die Kalkformation unter den dunklen Wolken und mag selbst nicht richtig strahlen. Es sind keine Touristenströme darauf zu erkennen und die ganze Szenerie ist etwas trostlos. So fällt es leichter den Weg nach Süden unter die Räder zu nehmen.

Noch einmal durch Denizli und auf der Hauptstrasse mit den fürchterlichen Längsrillen den Berg hinauf. Bei nasser Fahrbahn ein noch übleres Unterfangen als bei gutem Wetter.

Bei knapp 400 km auf dem Tageszähler halte ich an einer Tankstelle mir Restaurant an. Nachdem das Motorrad wieder bereit für die Weiterfahrt ist, genehmige ich mir noch einen türkischen Kaffee um etwas aufzuwärmen. Gerade vor mir entleert sich ein Reisebus mit Koreanern, welche innert kürzester Zeit ein Menu runterschletzten und schon wieder abfuhren. In der Zeit nahm ich knapp den Kaffee zu mir. Beim Gehen stoppte bereits der nächste Bus und eine neue Ladung Asiaten eilt vom Bus in das Restaurant. Zum Glück kann ich meinen Tag selbst einteilen.

Die Route führte über zwei Pässe, wovon der höhere mit 1595m noch Schnee neben der Fahrbahn hatte. So viel zum warmen Wetter. Der Regen stoppte glücklicherweise knapp nach Denizli, die Kälte und der Wind blieben. Die Strassen hier werden bei Nässe zu regelrechten Rutschbahnen, was natürlich zu langsamster Fahrweise führt. Als ich dann endlich in die Ebene vor Fethine hinunter komme wird auch der Wind angenehm wärmer. Bei einem der Strassenimbisse halte ich an und esse etwas.

Hier soll erwähnt werden, dass sich die Türken extrem freundlich erweisen. Überall wo ich hin komme, sind sie trotz der Sprachbarriere extreme hilfsbereit. Ihre landläufige Gastfreundschaft und Herzlichkeit suchen ihres Gleichen. So werde ich in den Essensstuben meist zur Auslage geführt und man versucht mir zu erklären, was es alles gibt. Mit zeigen und Gestikulieren hat es bisher immer richtig funktioniert. Nach dem richtigen Weg fragen bedeutet erst einmal hinsetzen und einen Tee trinken. Natürlich kostenlos. Ein par Brocken Türkisch zu sprechen hilft ungemein und zeigt auch den Respekt, welchen man vor ihrer Sprache und Kultur hat.

Ölüdeniz kennen viele, ohne es zu wissen. Wenn irgendwo ein Werbeprospekt der Türkei aufliegt, in dem ein Bild eines idyllischen Sandstrands in einer Bucht auftaucht, so ist dies Ölüdeniz. Der Ort ist in den letzten Zügen und bereitet sich vor, um dem kommenden Sturm der Touristen, welche in ca. zwei Wochen anreisen sollten stand zu halten. An allen Ecken wird noch etwas angeschraubt, gebohrt, geschweisst, gesägt und gehämmert. Von der Emsigkeit lassen sich die par Touristen, welche hier sind nicht stören. Geniessen sie doch die volle Aufmerksamkeit des Personals. Unten am Strand sind die Preise auf europäischem Niveau, doch bereits in den Seitengassen in den Lebensmittelläden findet man sich zurück in der Türkei. Mein Abendessen besteht dann auch aus Oliven, Joghurt und etwas Brot. Retsina wir in der Türkei nicht hergestellt...



Sonntag 1.4.

Im Afrikaforum habe ich den ersten Aprilscherz gefunden: Libyen lässt nun Touristen ohne Führer in die Wüste reisen – für 10 Tage. Zwar bekommt man ein Begleitfahrzeug mit, welches aber nur festhält, was die Touristen machen, um nach anschliessender Analyse genau zu wissen, was die Bedürfnisse der Touristen sind. Zudem ist ein Reisetagebuch zu schreiben und anschliessend abzugeben, Ansonsten werde ich von diesem Brauch verschont. Schade..

Für die heutige Route habe ich einen Einstieg mit der einfachsten Kategorie Strasse auf der Karte vorgesehen. Dies führt dann zu einem gut 20 km langen Stück, welches nicht asphaltiert ist und sich die Hügel hinauf schlängelt durch Mischwälder. Es ist eine wunderschöne, unberührte Gegend. Vereinzelt komme ich an Höfen oder kleinen Weilern vorbei. Diese Strecke wird praktisch vollständig im Stehen auf dem Motorrad absolviert, so dass ich dann doch froh bin, als nach fast einer Stunde wieder „normale“ Strasse vor mir auftaucht.

Obschon die ganze Etappe nur knapp 300 km lang ist, zieht es sich ewig dahin. Die Strasse entlang der Küste schlängelt sich in zahllosen Schleifen von einer Bucht zur nächsten. Eine anspruchsvolle Strecke für einen Tag, welche durch Regen vor Antalya gekrönt wird. Bei einer Probebremsung merke ich, wie das Hinterrad nur über den schlipfrigen Belag rutscht. Nur nicht zu schnell und genügend Abstand halten. Wenigstens hört der Regen nach Antalia wieder auf und es wird höchste Zeit, einen Ort für die Nacht zu suchen. Das Tagesziel ist Serik, welches ca. 40 km nach Antalia liegt. Wie ich feststellen musste, ist Campieren in der Türkei keine einfache Sache. Wild Campieren ist offiziell nicht erlaubt und in den Siedlungsräumen, in welchen ich bis an hin unterwegs war, fanden sich keine passenden Stellen, um das Zelt ungestört aufzuschlagen. Also habe ich nach einfachen Hotels Ausschau gehalten. Mit 15-20 Franken ist man dabei. Dies wird in einigen Wochen nicht mehr überall möglich sein, wenn die Touristensaison beginnt. So suche ich auch heute wieder ein einfaches Hotel oder die Möglichkeit, das Zelt aufzustellen. Schliesslich werde ich kurz vor dem Eindunkeln mit einem einfachen Hotel an der Hauptstrasse von Serik fündig. Das einfachste, das ich bisher hatte. Wenigstens hatte ich noch Gelegenheit, mich mit einem einfachen Frühstück im Supermarkt einzudecken, so dass ich morgen nicht hungrig auf die Piste muss.



Montag, 2.4.2012
tbc. ;)


Ja, Bilder folgen auch noch.

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