Samstag 31.3.12
Time to say good bye to Pamukkale –
oder eher Güle Güle, das türkische Pendent dazu. Beim Frühstück
klatschen einige Regentropfen an die Fensterscheibe, welche dann
während des Packens in einen feinen Regen über gehen. Einsam steht
die Kalkformation unter den dunklen Wolken und mag selbst nicht
richtig strahlen. Es sind keine Touristenströme darauf zu erkennen
und die ganze Szenerie ist etwas trostlos. So fällt es leichter den
Weg nach Süden unter die Räder zu nehmen.
Noch einmal durch Denizli und auf der
Hauptstrasse mit den fürchterlichen Längsrillen den Berg hinauf.
Bei nasser Fahrbahn ein noch übleres Unterfangen als bei gutem
Wetter.
Bei knapp 400 km auf dem Tageszähler
halte ich an einer Tankstelle mir Restaurant an. Nachdem das Motorrad
wieder bereit für die Weiterfahrt ist, genehmige ich mir noch einen
türkischen Kaffee um etwas aufzuwärmen. Gerade vor mir entleert
sich ein Reisebus mit Koreanern, welche innert kürzester Zeit ein
Menu runterschletzten und schon wieder abfuhren. In der Zeit nahm ich
knapp den Kaffee zu mir. Beim Gehen stoppte bereits der nächste Bus
und eine neue Ladung Asiaten eilt vom Bus in das Restaurant. Zum
Glück kann ich meinen Tag selbst einteilen.
Die Route führte über zwei Pässe,
wovon der höhere mit 1595m noch Schnee neben der Fahrbahn hatte. So
viel zum warmen Wetter. Der Regen stoppte glücklicherweise knapp
nach Denizli, die Kälte und der Wind blieben. Die Strassen hier
werden bei Nässe zu regelrechten Rutschbahnen, was natürlich zu
langsamster Fahrweise führt. Als ich dann endlich in die Ebene vor
Fethine hinunter komme wird auch der Wind angenehm wärmer. Bei einem
der Strassenimbisse halte ich an und esse etwas.
Hier soll erwähnt werden, dass sich
die Türken extrem freundlich erweisen. Überall wo ich hin komme,
sind sie trotz der Sprachbarriere extreme hilfsbereit. Ihre
landläufige Gastfreundschaft und Herzlichkeit suchen ihres Gleichen.
So werde ich in den Essensstuben meist zur Auslage geführt und man
versucht mir zu erklären, was es alles gibt. Mit zeigen und
Gestikulieren hat es bisher immer richtig funktioniert. Nach dem
richtigen Weg fragen bedeutet erst einmal hinsetzen und einen Tee
trinken. Natürlich kostenlos. Ein par Brocken Türkisch zu sprechen
hilft ungemein und zeigt auch den Respekt, welchen man vor ihrer
Sprache und Kultur hat.
Ölüdeniz kennen viele, ohne es zu
wissen. Wenn irgendwo ein Werbeprospekt der Türkei aufliegt, in dem
ein Bild eines idyllischen Sandstrands in einer Bucht auftaucht, so
ist dies Ölüdeniz. Der Ort ist in den letzten Zügen und bereitet
sich vor, um dem kommenden Sturm der Touristen, welche in ca. zwei
Wochen anreisen sollten stand zu halten. An allen Ecken wird noch
etwas angeschraubt, gebohrt, geschweisst, gesägt und gehämmert. Von
der Emsigkeit lassen sich die par Touristen, welche hier sind nicht
stören. Geniessen sie doch die volle Aufmerksamkeit des Personals.
Unten am Strand sind die Preise auf europäischem Niveau, doch
bereits in den Seitengassen in den Lebensmittelläden findet man sich
zurück in der Türkei. Mein Abendessen besteht dann auch aus Oliven,
Joghurt und etwas Brot. Retsina wir in der Türkei nicht
hergestellt...
Sonntag 1.4.
Im Afrikaforum habe ich den ersten
Aprilscherz gefunden: Libyen lässt nun Touristen ohne Führer in die
Wüste reisen – für 10 Tage. Zwar bekommt man ein Begleitfahrzeug
mit, welches aber nur festhält, was die Touristen machen, um nach
anschliessender Analyse genau zu wissen, was die Bedürfnisse der
Touristen sind. Zudem ist ein Reisetagebuch zu schreiben und
anschliessend abzugeben, Ansonsten werde ich von diesem Brauch
verschont. Schade..
Für die heutige Route habe ich einen
Einstieg mit der einfachsten Kategorie Strasse auf der Karte
vorgesehen. Dies führt dann zu einem gut 20 km langen Stück,
welches nicht asphaltiert ist und sich die Hügel hinauf schlängelt
durch Mischwälder. Es ist eine wunderschöne, unberührte Gegend.
Vereinzelt komme ich an Höfen oder kleinen Weilern vorbei. Diese
Strecke wird praktisch vollständig im Stehen auf dem Motorrad
absolviert, so dass ich dann doch froh bin, als nach fast einer
Stunde wieder „normale“ Strasse vor mir auftaucht.
Obschon die ganze Etappe nur knapp 300
km lang ist, zieht es sich ewig dahin. Die Strasse entlang der Küste
schlängelt sich in zahllosen Schleifen von einer Bucht zur nächsten.
Eine anspruchsvolle Strecke für einen Tag, welche durch Regen vor
Antalya gekrönt wird. Bei einer Probebremsung merke ich, wie das
Hinterrad nur über den schlipfrigen Belag rutscht. Nur nicht zu
schnell und genügend Abstand halten. Wenigstens hört der Regen nach
Antalia wieder auf und es wird höchste Zeit, einen Ort für die
Nacht zu suchen. Das Tagesziel ist Serik, welches ca. 40 km nach
Antalia liegt. Wie ich feststellen musste, ist Campieren in der
Türkei keine einfache Sache. Wild Campieren ist offiziell nicht
erlaubt und in den Siedlungsräumen, in welchen ich bis an hin
unterwegs war, fanden sich keine passenden Stellen, um das Zelt
ungestört aufzuschlagen. Also habe ich nach einfachen Hotels
Ausschau gehalten. Mit 15-20 Franken ist man dabei. Dies wird in
einigen Wochen nicht mehr überall möglich sein, wenn die
Touristensaison beginnt. So suche ich auch heute wieder ein einfaches
Hotel oder die Möglichkeit, das Zelt aufzustellen. Schliesslich
werde ich kurz vor dem Eindunkeln mit einem einfachen Hotel an der
Hauptstrasse von Serik fündig. Das einfachste, das ich bisher hatte.
Wenigstens hatte ich noch Gelegenheit, mich mit einem einfachen
Frühstück im Supermarkt einzudecken, so dass ich morgen nicht
hungrig auf die Piste muss.
Montag, 2.4.2012
tbc. ;)Ja, Bilder folgen auch noch.
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