Montag, 9. April 2012

Reise nach Kappadokien oder Irrfahrt in den Schnee

Freitag 6.4.2012

Für heute ist die Reise in Richtung Kappadokien angesagt. Genauer gesagt nach Ürgüp, wo ich bereits ein Hotelzimmer reserviert habe. Die Strecke suchte ich mit Google Maps heraus, da meine Karte diesen Teil nicht mehr abdeckt. Für die rund 400 km werden 7 Std veranschlagt, was darauf hin deutet, dass es sehr kurvenreich werden dürfte.
Der erste Teil bis es gebirgiger wird verläuft ganz gut und ich liege problemlos in der Zeit. In einer kleinen Ortschaft kommt dann die Abzweigung, welche nach Westen durch das Gebirge führt. Die Strasse ist zwar kurvenreich, doch mit gutem Belag und steigt schön regelmässig an. Nach einigen Kilometern wird aus dem Asphalt Naturbelag und Kurve an Kurve schlängelt sich um die Hügel.




Das ist alles noch nicht beunruhigend, denn ab und zu tauchen noch Ortsschilder und Richtungsangaben auf. So folge ich dem angegebenen Weg immer weiter, bis dieser enger und enger wird. Bei einer Verzweigung fehlen nun die Richtungsangaben vollständig, was mir doch etwas suspekt vorkommt. Immer häufiger quere ich kleine Bäche, welche vom Schmelzwasser aus höheren Gegenden über den Weg führen. Endlich komme ich in ein kleines Dorf, welches ich in meiner Onlinekarte nicht mehr finde. Ich versuche den richtigen Weg zu erfragen und muss feststellen, dass irgend etwas schief gelaufen ist, denn alle Wege von hier führen zu der Ortschaft, von der aus ich ursprünglich gestartet bin. Umkehren!

Auf dem Rückweg komme ich bei dem Versuch einer riesigen Wasserlache auszuweichen mit einem der beiden Koffer zu nah an einen Felsbrocken und werde praktisch auf die andere Seite der Strasse katapultiert. Nun kann ich das Motorrad nicht mehr halten und lande mit samt der Maschine im Tümpel. Zum Glück kann ich es noch alleine aufstellen, denn so im Wasser liegen lassen und Gepäck abmontieren ist alles andere als gut. Nun merke ich, dass der rechte Koffer weggerissen wurde und im Wasser schwimmt. Wie wasserdicht dieser ist, werde ich später prüfen.

Das Schloss hat einen irreparablen Schaden genommen und ich muss den Koffer mit Hilfe eines Spannriemens befestigen. Beim ersten Anlauf gelingt dies noch nicht sehr gut und ich muss den Koffer nochmals auflesen. Nun stelle ich beim Befestigen fest, dass auch das Nummernschild nicht mehr an der Maschine ist. Da dieses in einem Wechselrahmen angebracht worden ist, nehme ich an, dass es durch den Aufschlag weg geschleudert wurde. Doch auch die intensive Suche an der Unfallstelle und im Tümpel bringt kein Nummernschild mehr zu Tage.

Was solls? Es gibt schlimmeres, was einem passieren kann. Zudem ist bei der Weiterfahrt in südlichere Länder eine separate Versicherung zu lösen, welche unabhängig von unserem Nummernschild ist. Von einem der Jungs, welche in der Zwischenzeit bei mir eingetroffen sind, erfahre ich, dass ich einige Kilometer weiter zurück hätte nach links abbiegen müssen. Ja, da war ein Schild. Doch auch als ich das zweite mal daran vorbei gefahren bin, zeigt es noch immer nach rechts und nicht nach links.

Jedenfalls weiss ich jetzt, dass ich auf der richtigen Strasse bin und fahre weiter. Es beginn schon sehr zu dämmern und ich will nicht zu lange im Dunkeln auf diesen Strassen fahren. Vor allem dann nicht, wenn noch Gegenverkehr herrscht.

Die Strasse führt über einen Pass und kurz danach komme ich an eine Abzweigung, welche mir sagt, dass ich wieder auf dem richtigen Weg bin. Mittlerweile liegt beidseits der Strasse etwa ein halber Meter Schnee und es ist in den nassen Stiefeln und Handschuhen nicht mehr so angenehm. Eigentlich dürfte das Hotel langsam kommen. Doch bis dahin sind es noch gut 100 km.

Der Weg führt erst über eine lange Ebene hinweg und steigt dass nochmals an. Die Schneemauern links und rechts werden immer höher, bis dann abrupt auch vor mir eine Schneemauer von gut zwei Metern auftaucht. Ich kann jedenfalls nicht darüber hinwegsehen.

Es bleibt mir nichts anderes übrig als umzukehren und zuerst einmal bis zu der letzten Ortschaft zu fahren. Mittlerweile sehe ich, dass mir nicht viel anderes übrig bleibt, als das Gebirge südlich zu umfahren.



Bei der Kreuzung angelangt nehme ich den Weg, welcher südwärts führt und der besser ausgebaut ist als derjenige, auf dem ich gekommen bin. Doch wie lange, bis ich wieder auf den Asphalt komme? Es wird immer dunkler und die Strasse ist teils nur noch Matsch. Dann wird das ganze zu einer einzigen Rutschpartie.Mittlerweile ist es vollständig dunkel geworden und etwas zwei Berghänge weiter vor mir taucht ein Lichtschein wie von einer grösseren Ortschaft vor mir auf. Endlich!

Als ich der Quelle näher komme, sehe ich, dass es keine Ortschaft sondern so etwas wie ein Bergwek oder eine gewaltige Baustelle sein muss. Dann werde ich an einem Kontrollposten mit Schlagbaum angehalten. Die drei freundlichen Herren sprechen nur türkisch, doch sie machen mir klar, dass ich hier nicht mehr weiter kann. Çai! Genau, ein Tee ist jetzt das richtige. Schon bald sind noch mehr Personen anwesend und es wird mir klar, dass es sich um eine Baustelle handelt. Einer der gastfreundlichen Arbeiter organisiert mir aus der Kantine ein Sandwich und eine Flasche Joghurtdrink. Nun erst einmal hinsetzen und etwas plaudern. Während wir Bilder der Kinder austauschen und esse, klären sie ab, wo ich übernachten kann. Ja, ja, in einer der Baubaracken ist das kein Problem. Ich werde am kommenden Morgen einfach bereits um 7 Uhr abfahren müssen, doch werden sie mich eskortieren. Soviel habe ich verstanden.




Samstag 7.4.12

Mein Wecker läutet um halb sieben und noch etwas zerknittert schaue ich aus meinem Schlafsack in der Baracke. Mustaffa holt mich ab und wir nehmen ein Frühstück in der Kantine ein. Es drängt ihn etwas, denn schon bald will er mit mir aufbrechen. Gut geleitet von ihm komme ich etwas 2 km weiter na das Ende der Baustelle des Staudamms, welcher hier errichtet wird.



Auf der Naturstrasse kommen mir Minibusse mit Arbeitern entgegen, welche aus den umliegenden Ortschaften herangeführt werden. Soweit verläuft alles problemlos, ausser dass bei jedem Schlagloch ein komisch klimperndes Geräusch von der Vordergabel her ertönt. Mir schwant schon übles, doch erst zurück in Richtung Adana.

Unterwegs mache ich in einer grösseren Ortschaft einen Halt, um einen Ersatz für mein Nummernschild zu organisieren. Zuerst denke ich an ein Blechschild oder etwas ähnliches, welches genügend Witterungsbeständig ist. In einem Haushaltwarengeschäft finde ich erst Serviertablets aus Blech und dann die weissen Schneidunterlagen. Genau das was ich benötige. Noch etwas gross, doch eine geeignete Werkstatt um es zu verkleinern wird schon auftauchen.

Zwei Ortschaften später komme ich an einem Metallverarbeitungsbetrieb vorbei und halte an. Drin sind die Jungs gerade am Çai trinken und ich werde ebenfalls eingeladen, nachdem sie mit der Blechschere das Brettchen wunschgemäss verkleinert haben.
In Adana brauche ich noch einen dicken Filzstift um das neue Nummernschild zu beschriften und eine Landkarte der ganzen Türkei wäre auch ganz hilfreich. Google Maps hin oder her, für meine Zwecke reicht es nicht.

In einem Shoppingcenter mitten in der Stadt werde ich fündig. Jedoch bin ich wieder zu früh und kann die Zeit bis zur Ladenöffnung noch für etwas Sightseeing nutzen.

In der Zwischenzeit habe ich auch herausgefunden, was so klappert von der Gabel. Die Halterung der Hupe ist abgebrochen/abvibriert und das komische Geräusch wurde durch die herum hüpfende Hupe verursacht.

Nachdem ich das Motorrad noch in einer Waschanlage abgedampft hatte, war alles wieder perfekt und der Fahrt nach Kappadokien stand nichts mehr im Wege.


Kappadokien ist ein Hochland, welches zu grossem Teil aus Hochebenen besteht. Über diese weht ein veritabler und konstanter Wind, welchen auch ich zu spüren bekam. Am kommenden Morgen hatte ich Muskelkater vom ständigen Gegenhalten, damit das Motorrad nicht von der Strasse geweht wurde.





Plötzlich tauchten die ersten Erdhäuser und skurrilen Steinformationen auf und ich wusste, dass mein Ziel in Reichweite war.

Das Cave Inn Hotel ist ein unscheinbares Schmuckstück, welches von aussen gerne übersehen wird. Klein aber sehr ruhig und mit freundlichem Personal.

Mein erster Versuch, auf dem Polizeiposten den Verlust des Nummernschildes bestätigen zu lassen scheitere und ich solle am Montag wieder kommen. Ein klares Zeichen, dass hier keine Ostern gefeiert wird.

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